Die PORSCHE SCENE LIVE berichtete in ihrer Ausgabe 08/09
Mr. SPEEDSTER und die dritte Generation
Speedster
- seit 1954 komprimiert der Zuffenhausener Zweisitzer das Fahren auf das
Nötigste. Und obwohl steckbare Seitenscheiben in der dritten Generation nach
1954 und 1989 der Vergangenheit angehörten, zeigte sich auch der 964 Speedster
von der reduziert-sportlichen Seite.
"Der
Spaß an einem richtigen Sportwagen lässt sich nur steigern, indem man die
Hälfte weglässt. Am besten die obere", lautete ein Werbeslogan bei der
Einführung des Speedsters auf 964-Basis. "Speedster - das bedeutet ein
Minimum an Auto mit einem Maximum an Qualitäten", hieß es an anderer
Stelle in einem PR-Text. Bei Porsche kriselte es Anfang der 90er gewaltig. Mit
dem 964er Speedster wollten die Schwaben sicher auch an die Speedster-Legende
anknüpfen, doch in erster Linie ging es darum, mit der Historie den Verkauf des
knapp über 132.000 Mark teuren Sportlers noch mal extra anzukurbeln. Dennoch
hielt sich der damalige Pressetext hinsichtlich der zu erwarteten
Verkaufszahlen bedeckt, um die Exklusivität herauszustellen. Vom Vorgänger
hatte Porsche 1989 in kurzer Zeit 2.100 Autos verkauft und "auch vom neuen
Speedster der Neunziger, den Porsche auf dem Pariser Autosalon im Oktober 1992
vorgestellt hat, werden es sicher nicht viel mehr Exemplare sein".
Insgeheim hatten die Schwaben angeblich mit rund 3.000 Stück gerechnet.
Ernüchterndes Fazit nach zwei Baujahren der dritten Generation: Lediglich 930
Autos ließen sich verkaufen. Obwohl er fast 8.500 Mark weniger kostete als das
Carrera 2 Cabrio, auf dessen schmalen Rohkarosserie der Zweisitzer basierte.
Rund 15 Stück rüstete die Porsche-Exclusiv-Abteilung zudem in den breiten
Turbo-Look um.
Aufsteigende Tendenz: Fallen werden die Preise für klassische Porsche wohl nicht mehr
Die
Windschutzscheibe beim 964er Speedster ist - ganz im Gegensatz zu den
Vorgängern - fest mit der Karosserie verbunden. Den Verdeckmechanismus
überarbeiteten die Techniker gegenüber der 89er Version und verbesserten auch
die Dichtigkeit des nach wie vor mechanischen Daches. Unter der in Wagenfarbe
lackierten Doppelhutze kann es dann komplett verschwinden. Zwar fehlen Notsitze
und zum Türöffnen müssen die RS-Schlaufen reichen, doch ganz auf Komfort muss
man nicht verzichten: Elektrische Fensterheber und Alarmanlage mit Leuchtdioden
kamen serienmäßig mit an Bord. Eine Klimaanlage und den Porsche-Bordcomputer
konnte man als Extra ordern. Die 17-zölligen Cup-Design-Felgen drehten sich in
Wagenfarbe lackiert. Im Interieur kontrastiert ebenfalls jeweils in Farbe der
Außenhaut Lackiertes wie zum Beispiel der Instrumententräger und die Rückseite
der Recaro-Sportschalen den Ton der übrigen Ausstattung. Auch das Leder des
Schaltknüppels oder die Zuziehgriffe präsentieren sich in Wagenfarbe. Auch auf
der Motorenseite gab's kein Schnickschnack: Nur das 3,6-Liter-Aggregat bot
Porsche hier an.
Die
meisten Exemplare gingen freilich in Sammlerhand. Diese - von Porsche sicher
nicht ganz so gewollte - Exklusivität hat heute ihren Preis. Zwischen 60.000
und 90.000 Euro muss heute derjenige auf den Tisch legen, der das Mehr vom
Weniger genießen möchte.
Mr.Speedster:
Nach 356 Speedster fährt Jürgen Grenz wieder einen Porsche, der seinem Spitznamen gerecht wird
Auch
Jürgen Grenz weiß das ganz spezielle Flair des reduziert sportlichen Offenen zu
schätzen und zu genießen. Aufmerksame PORSCHE-SCENE-Leser kennen ihn bereits
aus den Ausgaben 09/08 und 01/09, wo wir seine Leidenschaft für Porsche und
Rock 'n`Roll! ausführlich vorstellten. Seit seiner Jugendzeit schlägt Jürgens
Herz für die Musik und die Zuffenhausener Sportler. Vor allem die 356 hatten es
ihm lange Zeit angetan. Seine Musik-Leidenschaft
ermöglichte es ihm, den ersten Porsche schon als achtzehnjähriger Schüler
kaufen zu können - einen 356 A für 1000,-- Mark. Jahrzehnte und verschiedene
Porsche-Modelle später verkauften er und seine Lebensgefährtin Maggie ihren
weißen 356 Speedster, der sich fast zum Markenzeichen von Jürgens Band Vincebus
entwickelte und ihm selbst den Spitznamen 'Mr. Speedster' einbrachte. Das war
vor drei Jahren: "Der Speedster hatte nicht so ganz die
Alltagstauglichkeit, die wir dann doch beide brauchten, schon gar nicht im
Winter. Wir hatten tolle Erlebnisse, doch die 356-Zeit war irgendwie
vorbei", sagt der 60jährige. Ein Carrera 3,2 Targa - kurzerhand 'Elfis'
genannt – folgte, zu dem schon vorhandenen
Boxster.
Home Improvement: Nicht so gut wie beim Cabrio, doch gegenüber dem Vorgänger hat sich das Speedster - Verdeck verbessert
Doch so ganz konnte Jürgen den Speedster-Virus wohl nicht überwinden -
zumal ein geschenktes Buch über den Zweisitzer die alte Liebe noch mal neu
entflammte. Am Silvesterabend 2008 dann bestimmten USA-Reisen den
Gesprächsstoff der Versammelten. "Ich kann mir nur vorstellen, nach
Amerika zu fahren, wenn wir da einen Speedster kaufen, damit dort ein paar
Wochen herumreisen und ihn dann mit nach Hause nehmen", äußerte Jürgen
nicht so
ganz ernst gemeint. Da
aber auch ein Protest seitens Maggie (sie ist eben auch Speedster-Fan)
ausblieb, linste er hier und da in virtuellen Börsen nach den offenherzigen
Zweisitzern. Zwei Wochen später stieß er in einer bekannten Onlinebörse auf
einen weißen 964-Speedster eines in Amerika lebenden Deutschen. "Wir
schickten eine Email und am gleichen Abend rief er zurück - die Chemie schien
sofort zu stimmen." Doch, dass die Geschichte ganz anders laufen sollte,
wie Jürgen und Maggie sich den Kauf vorgestellt hatten, ahnten sie da noch
nicht.
Das aufgerufene Angebot war kein Schnäppchenpreis und es wären
noch 19 % Mehrwertsteuer, 10 % Zoll und
Fracht dazugekommen, "doch das
Interessante war ja, dass wir damit in den Staaten auch gleich Urlaub machen
wollten", so Jürgen. Eine Woche später ging es schon um den formlosen
Vertrag, den man hin- und herfaxte und das Paar buchte gleich auch schon den
Flug.
Es wurde immer über Euro gesprochen, jedoch ein
formloser Vertrag wurde in Dollar gemacht,
und sie vereinbarten per 'telefonischem Handschlag' einen Europreis, mit
dem Zusatz, dass wenn der Dollar-Kurs steigt, übernehme der Amerikaner die
Differenz zum Euro, sollte er fallen,
würde der Kursgewinn geteilt."
Doch leider fixierten sie das nicht schriftlich. Da die Abholung
erst in vier Monaten erfolgen sollte, schickte Jürgen noch eine Anzahlung.
Wöchentlich telefonierte man und plante eine gemeinsame Speedster Urlaubsfahrt. Doch der Dollar-Kurs
verschlechterte sich immer mehr und
nach zwei Monaten, wollte der Verkäufer nichts
mehr von den vereinbarten telefonischen Abmachungen wissen, zudem entpuppten sich die 41.000
Kilometerangabe aus der Anzeige, als Meilen.
Durch
die Rücknahme der Handschlagvereinbarung des
Amerikaners wurde der geplante
US-lmport riskant. Jürgen wollte vom Kauf zurücktreten. Doch da klagte der
Verkäufer via Rechtsanwaltsbüro in Deutschland eine Abstandssumme ein.
Schlussendlich zahlte Jürgen zähneknirschend, da er einer langwierigen und
kostspieligen Rechtstreitigkeit entgehen wollte.
Alles im Blick: Die US-Version rüstete der Händler für die hiesige Zulassung um
Einheits- maschine: den 964er Speedster lieferte Porsche nur mit dem 3,6-Liter Boxer aus
Wohlige Formen: Speedster Freunde schätzen das "Mehr" vom Weniger
Fast noch jungfräuliches Interieur: nicht einmal 20.000 Kilometer auf der Uhr
Notverdeck: Jürgen Grenz fährt lieber offen
Parallel beobachtete er im Internet immer einen weißen US-Re-Import beim
Oettinger Sportwagen-Zentrum in Hamburg. Nach Besichtigung und kurzer
Verhandlung kaufte er den Speedster aus erste Hand, mit lückenlosem Scheckheft,
18.000 Meilen auf dem Tacho und er war bereits komplett für eine deutsche
Zulassung umgerüstet. Das alles waren Attribute, welche die amerikanische
Episode wohl schnell vergessen ließ.
Jürgen hatte sich auch schon ein Kennzeichen reserviert.
"Denn das Wunschkennzeichen mit meinen Initialen wurde
endlich frei und ich ließ mir ein US-Schild machen. Doch die Zulassungsstelle
sagte Nein dazu. Die alternativ vorgeschlagene große 'Kuchenplatte' hätte unten fünf Zentimeter übergehangen".
Für knapp 200 Euro inklusive Lackierung organisierte Jürgen eine europäische
Stoßstange und rüstete die US-Heckstoßstange noch selbst nachträglich um.
Es ist ein Wahnsinnsunterschied vom Fahrgefühl, das G-Modell war
immer noch irgendwie das Urviech, der 964 ist einfach eben modern", so
Jürgen, "denn ich habe auch Fahrspaß, wenn ich beim Lenken nicht immer die
Muskeln spielen lassen muss", so Mr.Speedster, der nach der Rückkehr zu
seinem Spitznamensgeber automobil fast wunschlos glücklich ist, denn selbst
sein Saxophon kann Mr. Speedster mitnehmen, "allerdings ohne den Koffer,
denn der passt vorne nicht mehr, wie im G-Modell, hinein. Und mir schwebt noch
eine Persenning vor, wie früher beim 356 Speedster, die lediglich den
Fahrgastraum abdeckt." So genießt Jürgen seinen Traum zusammen mit Maggie
bei Urlaubsfahrten, bei Clubtreffen, oder eben einfach nur so.
"Ein Cabriolet ist ein
geschlossenes Fahrzeug, mit dem man auch offen fahren kann. Ein Speedster ist
ein offenes Fahrzeug, das man auch geschlossen fahren kann", lautet eine
Speedster-Definition - dem ist nichts mehr hinzuzufügen
Dezember 1954 sind die Schaufenster
wieder reich gefüllt.Gerade in der Ruhrmetropole Bochum. Dorthin fährt
auch an einem betriebsamen Vorweihnachts- abend Familie Grenz mit ihrem
Jürgen. "Das weiß ich noch ganz genau" sagt der heute 59jährige, "wir
sind in die Weihnachts- ausstellung vom Kaufhaus Kortum gegangen. Und
da stand dann der Distler-Porsche. Die Technik des Autos hat mich
völlig begeistert." Da konnte man freilich als Eltern schlecht Nein
sagen, obwohl das Modell 1954 mit knapp 30 Mark ein recht teurer Wunsch
war. Schließlich lag das Blechmodell zum Fest unter dem Baum: "Mehr
ging nichf, freut sich Grenz heute noch. Und der Filius hat gut drauf
aufgepasst. So kann er uns den blauen Bordsteinrenner beim Fototermin
auf dem Flugplatz Loemühle stolz und quasi wie neu mitbringen. "Damit
hat alles angefangen!", sagt er, der zudem ein Relikt seiner zweiten
Leidenschaft dabei hat, sein Saxophon. Was auf den ersten Blick nicht
viel gemein zu haben scheint, bedingt einander. Denn früher
Klarinettenunterricht entfachte eine Musik-Leidenschaft, die Grenz den
ersten Porsche schon als achtzehnjähriger Schüler finanzieren sollte.
Mittlerweile schwappte die Beatles- und Stoneswelle auch in den
Ruhrpott. Live-Musik zog die Massen und auch bekannte Größen wie die
Kinks, Rattles oder Lords in die Clubs. So sattelte er auf Schlagzeug
um. Erfolgreich. Denn nach einem gut erhaltenen Käfer für 250 Mark
konnte der sich Ex-Klarinettist einen 356 A kaufen. Die Auftritte mit
seinen "Dakotas" rechneten sich. Denn immerhin kostet der 356 trotz
seines sehr gebrauchten Zustands 1.200 D-Mark. "Und der war auch nach
zwei Jahren so durch, dass ich Schwierigkeiten hatte, den überhaupt zu
verkaufen." Anfällige Reparaturen erledigt er seit jener Zeit selbst,
wobei die Ersatzteilbeschaffung früher einfacher schien: "Ende der
60er, Anfang der 70er kannte ich allein in der Recklinghäuser Umgebung
drei Schrottplätze, wo ich 356er-Wracks für Ersatzteile finden konnte."
Heute eigentlich undenkbar, oder wann haben Sie das letzte mal ein
G-Modell auf dem Schrottplatz gesehen?
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"Porsche fahren ist wie Rock`n`Roll" das sagt der 59-jährige Jürgen Grenz aus dem Kreis Recklinghausen. Und
der muß es wissen. Er hat zwei Bazillen in sich, den ersten hat er
sich mit einem Distler-Porsche 1954 eingefangen und der zweite sprang
von seinem Vater über - das war der Bazillus Musikus.
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Am Ende der Beat-Ära standen alle Zeichen auf Soul a la Arthur
Conley oder den Four-Tops. Dieser bläser orientierte Sound gefiel Grenz, der
fortan das mit
der Klarinette verwandte
Saxophon in verschiedenen Bands spielte. Nach der
Bundeswehrzeit Anfang der 70er -"die ich mit einem neuen Käfer
überbrückte"- und seiner Heirat, legte er sich ein 356 Cabrio zu.
"Das war so die Zeit. Die 356 waren da ja eigentlich einfach alte Autos.
So begeisterten ihn später
auch Newcomer, wie der 914, von denen er sowohl Vier- und Sechszylinder
gerne fuhr. Bei seinem ersten 911 G-Modell muss er sofort an die
"unheimlich schwergängige Kupplung" denken.
Es gab aber auch eine kurze Phase des" Alpine-Sports" mit einer 110
und einer 310, wo Grenz in Zandvoort, Nivelles-Baulers oder Zolder
Fahrerlehrgänge absolvierte.
Aber er fuhr Porsche nicht
nur zum Spaß. "Ich war lange in den Bereichen Maschinenbau und
Elektrotechnik selbstständig und bin da immer
wassergekühlt,
gefahren -aus praktischen
Gründen",- erzählt Grenz. Rund 80.000 Kilometer
legte er im Jahr im
Kundendienst für eine dänische Firma zurück. Die Transaxle-Modelle, zwei
924 und ein 944 S1 und S2 überzeugten ihn durch Wirtschaftlichkeit und die
Ausgestaltung des Kofferraumes: "Der war so schön flach, ich hatte
immer verschiedene Koffer gleichzeitig dabei, die konnte ich schön von außen
sehen und geziehlt danach greifen, beim BMW musstest Du immer alle beiseite
räumen." Privat ist er aber immer luftgekühlt unterwegs gewesen. Seit
Anfang der 80er, am liebsten in seinem 356 SC Cabrio. Nach dem Tod seiner
Frau, fing ihn seine Porsche-Hobbygemeinschaft auf. Mehr noch, denn dort
lernte er seine Lebensgefährtin Maggie kennen, deren Mann ebenfalls kurz
zuvor verstorben war. Seide taten sich zusammen und gaben ihr zuvor extrem
intensives Berufsleben auf. Auch das 356 SC Cabrio verkauften sie zugunsten
Maggies 356 Speedster. Der offene weiße Renner hat sich fast zum
Markenzeichen der Band "Vincebus" entwickelt, in der Jürgen Grenz
alias "Mr. Speedster" bis heute spielt. Seit acht Jahren ergänzt
zudem ein Boxster den Alltagsfuhrpark der beiden. Doch "der Speedster
hatte nicht so ganz
die Alltagstauglichkeit, die wir dann
doch beide
brauchten, schon gar nicht Im
Winter. Wir hatten tolle
Erlebnisse, doch die 356. Zeit war irgendwie vorbei." Nach dem Speedsterverkauf 2006
sollte sich
schon
bald Ersatz einfinden. "Maggies
Italienischlehrer aus
Sizilien schwärmte
Seite 3
immer
vom Targa einer alten Dame aus einer Industriellen- familie seiner
Heimat", so Grenz. Kurzum, beauftragte er den Lehrer, sich in Sizilien
um den Porsche - Deal zu kümmern. So kam "Elfis" - wie der gezeigte
1986er 911 Carrera 3,2 Targa ab da hieß - zur Porsche-Familie ins Ruhrgebiet.
Wir können nicht mit Sicherheit sagen,
ob Jürgen Grenz bei seinen kleinen, immer wieder eingeschobenen verträumt virtuosen Saxophon Einlagen auf dem Flugplatz
("Tolle Akustik hier!")
nicht auch an intensives Porsche - Fahrenauf
sonnigen süditalienischen Straßen denkt. Doch Porsche tat dies ganz
gewiss, als sie den Targa erstmals auf der IAA 1965 vorstellten. Zum
einen wollten sie mit dem Namen direkt auf die Porsche-Siege bei der
Targa Florio hinweisen, dem berühmt berüchtigten Sportwagenrennen über
Siziliens Straßen. Zum anderen - im kompletten Gegensatz dazu - mit dem
italienischen Wortsinn "Schild" auf die besondere Schutzfunktion des
Überrollbügels hinweisen. Überzeugt von dieser Wortschöpfung ließ sich
Porsche den Namen gleich schützen. Wer weiß, vielleicht ist uns so ein
VW Golf Targa erspart geblieben. Und so sportlich wie ein Porsche
sollte ein serienmäßiges Erdbeerkörbchen eh nie werden. Aber wieso
musste es eigentlich 1982 werden, bis Porsche den eingefleischten
Frischluftfans einen "richtig" offenen 911 er offerierte? Ein durch
scharfe Sicherheitsbestimmungen befürchtetes Verbot aller offenen Wagen
in den USA, einem wichtigen Absatzmarkt, ließ Porsche den Überrollbügel
installieren. So dauerte es bis 1982, bis ein Verbot vom Tisch war und
ein vollwertiges Cabrio ins Portfolio rollte. Dennoch, der Targa ist
extrem erfolgreich, rund 40 Prozent der Elferproduktion verließen
Zuffenhausen "gebügelt." Auch Grenz schätzt den Targa sehr. "Wenn
unsere Fahrten Urlaubscharaker haben, nehmen wir immer den 'Elfis',
damit kenne ich mich aus, da kann man quasi mit einer Schraube oder
einem Band schon was reparieren, wenn der Boxster die Flügel streckt,
dann kann man da nix mehr machen." Alles andere ist aber ein Fall für
Grenz: "Beim 356er war das alles recht einfach, beim 911 ist das zwar
komplexer, aber Wartungsarbeiten, wie Bremsanlage oder Ventile
einstellen, mache ich auf jeden Fall immer noch selbst. Beim Boxster
ist da außer den ganz simplen Sachen natürlich gar nix mehr möglich."
Dann geht' s ins Porsche Zentrum Recklinghausen, wo er schon seine
Dienstporsche warten ließ.
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"Der absolute Traum ist aber für mich der 904.
Realistisch gesehen, fände ich auch einen 911 Speedster toll, aber der
aufregendste Porsche war mit Sicherheit der erste 356. Das unglaubliche
Gefühl, als so junger Mensch schon so ein Auto fahren zu können,
großartig, genau wie später im Elfer." Und wie zum Beweis fahren Grenz
und "Elfis" sichtlich genussvoll noch am Abend eines langen Tages ein
extra Fotorunden für uns, denn:
Im November 2008 zeigte Porsche bei der Los Angeles Auto Show die
Facelifts von Boxster und Cayman -wir berichten in der Rubrik NEWSROOM dieser
Ausgabe. Die Nachfolgegeneration soll 2011 kommen. Jürgen Grenz hat seinen
Traumwagen schon jetzt gefunden: den "Boxman".
KLAPPE ZU!
Ein herbstlicher
Nachmittag im November. Nur vereinzelt blitzen Sonnenstrahlen durch eine
düstere
Wolkendecke. Immer wieder warten wir genau auf diese Lücken im Himmel, um den
lapisblauen Boxster ins rechte Licht rücken zu können. Es ist jetzt schon
recht kalt. Viele verirren sich heute nicht auf das Areal der ehemaligen
Zeche Ewald am Land- schaftspark Hoheward in Herten. Aber die wenigen gucken
fast ausnahmslos zum Auto, bleiben stehen und stellen Fragen wie" Ist
das ein Cayman?" „Nein, das ist mein Boxman!", antwortet Besitzer
Jürgen Grenz den zuweilen verdutzen Betrachtern und erzählt die Geschichte,
wie sein Boxster zur Wintermütze von Zeintec kam. Denn offiziell existiert natürlich
kein "Boxman". Aber Grenz mag solche kreativen Schöpfungen:
"Der Spaß steht bei mir im Vordergrund", sagt er, als wir uns - nicht
zum ersten Mal - mit ihm treffen. Die Symbiose aus "Boxster" und
"Cayman" soll ausdrücken, was Jürgen an seinem Auto so schätzt, seit er das Hardtop mit
Cayman-Optik fährt: "Für mich ist das einfach das Beste aus zwei Welten,
ein herrlicher Roadster im Sommer und im Winter ein schnittiges Coupe mit aktuellem Aussehen!" Zudem bildet die Wortschöpfung eine Hommage an das
Kunstwort Boxster selbst, das Porsche aus "Boxer" und
"Speedster" ersann- werbewirksame Huldigung ruhmreicher
Vergangenheit.
Aufmerksame PORSCHE-SCENE-Leser kennen Grenz bereits aus Ausgabe
09/2008, als wir seinen 86er Carrera 3,2 Targa und seine Leidenschaft für
Rock 'n`Rol! ausführlich vorstellten. Den weißen 356 Speedster, der sich fast
zum Markenzeichen von Jürgens Band Vincebus entwickelte und ihm den
Spitznamen "Mr. Speedster" einbrachte, verkauften der 59-Jährige
und seine Lebensgefährtin Maggie vor zwei Jahren. 2001 nahmen die
Porsche-Fans
den 986 Boxster in ihren Fuhrpark auf.
Seither gab's "außer dem
bekannten Simmerring - Problem nie große Schwierig- keiten. Eigentlich fallen nur
Ölwechsel und Verschleiß- teileaustausch an." Das erledigt Grenz wie bei
all seinen Porsche bisher in gewohnter Manier selbst, genau wie alle
einfachen mechanischen Reparaturen. Exaltierte Angelegen- heiten oder
Elektronik- probleme kommen dann aber zum Profi in die Fachwerkstatt. Für fast
140.000 km waren "Mr. Speedster" und sein Boxster glücklich
und zufrieden.
Aber "als dann 2005 die ersten Fotos vom Cayman herum gingen,
fand ich den schon richtig gut", gibt Grenz zu. Oh, oh -Gefahr für den
Boxster? Nein, aber immerhin hat er "zu Maggie aus Spaß gesagt: 'Den
leihen wir uns aus, und ich mache mir davon einen Ab- druck für ein Hardtop'.
Kurze Zeit später plante die Schweizer Firma Zeintec, genau diese Idee
umzusetzen." Bei der Essen Motor Show zeigte Zeintec 2005 das Resultat
bereits als Prototyp. Für
Grenz war das ein Volltreffer. Doch die Serienreife verzögerte sich
mehrfach -über Jahre hinweg. "Mr. Speedster" verlor das Interesse,
bis ihn vor knapp einem Jahr eine E-Mail aus Südafrika erreichte. Die neue
Firmenleitung von Zeintec verkündete nun endlich die Serienreife. Wiederum
sechs Monate später stand dann beim deutschen Vertriebspartner in der Nähe
von Hamburg ein Modell zum Anschauen bereit. Und erst als ein Konzertbesuch
von Grenz' Lieblingsband Chicago in der Hansestadt anstand, bot sich eine
treffliche Gelegenheit, Porsche und Rock 'n' Roll in Einklang zu bringen: "Ich
wollte es mir dann doch mal anschauen." Das Vorgeführte überzeugte:
"Ich war total begeistert!"
Sechs Wochen später kam das fertig lackierte GFK-Dach per Luftfracht
und Spediteur in einem großen Paket direkt aus Südafrika zur Selbstmontage in
die Grenz-Garage. Doch leider passte der Farbton nicht exakt. "Wir
arbeiten mit dem Spiess- Hecker-System und den originalen Farbcodes. Das war das erste und einzige Mal,
dass die Farbe nicht ganz stimmte. Es hat sich als menschlicher Fehler
herausgestellt. Das war uns sehr unangenehm, und wir haben das schnell
geregelt", versichert Ulrich Weigelt von Zeintec Germany gegen- über der
Redaktion. Als Entschädigung erhielt Herr Grenz noch den Zeinwing-Heckflügel,
den er kurze Zeit später mit dem nun exakt lackierten Dach in Empfang nahm
-es konnte losgehen.
Die Vorbereitungen am Boxster: "Ich habe den Heckdeckel
abgeschraubt und musste darüber hinaus den Verdeck- kastendeckel
entfernen." Ob- wohl das Verdeck an und für sich drinbleiben kann, nahm
Grenz auch dieses heraus, um es in der Garage aufgespannt aufzubewahren.
Die aus Transport- gründen separierte Heckklappe befestigte Grenz mit wenigen
Handgriffen am Dach. Dann montierte er "links und rechts in den
Türholmen
die Zeintop-Aufnahmen quasi per Schnellverschluss genau in die bereits
ab Werk vorha
Die Vorbereitungen am Boxster: "Ich habe den Heckdeckel
abgeschraubt und musste darüber hinaus den Ver- deckkastendeckel
entfernen." Ob- wohl das Verdeck an und für sich drinbleiben kann, nahm
Grenz auch dieses heraus, um es -in der Garage aufgespannt -aufzubewahren.
Die aus Transportgründen separierte Heck- klappe befestigte Grenz mit wenigen
Handgriffen am Dach. Dann montierte er "links und rechts in den
Türholmen
die Zeintop - Aufnahmen quasi per Schnellverschluss genau in den bereits ab Werk vorhandenen Aufnahmen für das Original-Porsche-Hardtop". Vorne
am Scheibenrahmen wird ebenfalls in den Originalaufnahmen eingeclipst. Dauer
der Prozedur: "Ach, für den geübten Laien so zirka eine Stunde, wenn man
sich Zeit nimmt", so der Musiker, der jetzt eine "wesentlich
bessere Übersicht nach hinten durch die Seitenscheiben und die große
Heckscheibe und dazu noch ein tolles Coupefeeling" genießt.
Nebenbei besitzt er einen richtigen Hingucker, wie wir den ganzen
Nachmittag über erleben konnten. Es geht jetzt auf den frühen Abend zu, das
Licht ist fast schon weg. Da trifft es sich gut, dass wir alle Bilder im Kasten haben und in Jürgen Grenz schon die Vorfreude auf die Heimfahrt aufkeimt. Damit endet auch unsere kleine Geschichte vom "Boxman",
"Mr. Speedster" und der schlussendlich erfolgreichen Suche nach der
perfekten Zu-Fahrt. Mögliches Motto: Klappe zu!